Ökologische Bewirtschaftung
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Ökologische Bewirtschaftung im Weingut Gróf Degenfeld
Im Herbst 2008 begannen Gräfin Marie Degenfeld und ihr Gatte Dr. Thomas Lindner als Eigentümer des Weinguts Gróf Degenfeld mit der Verwirklichung eines schon seit geraumer Zeit gehegten Planes.
Bereits bei Gründung des Weinguts im Jahr 1996 wurde die Herstellung qualitativ anspruchsvoller Weine angestrebt und diese Zielsetzung bestimmt seit gut einem Jahrzehnt die Tätigkeit.
Die Eigentümer sind auf ihren Reisen in alle Welt ständig bestrebt dazuzulernen, wie der Weinbau und die Behandlung der Weine im eigenen Gut auf ein noch höheres Niveau gebracht werden können.
Nicht zuletzt konnten sie beobachten, dass die namhaften, weltberühmten Weingüter immer ernsthafter um eine ökologische Bewirtschaftung bemüht sind. Das Ziel ist, nicht etwaige modische Anklänge des Begriffs „Bio“ zu nutzen und sondern sich ernsthaft im Sinne höchster Ansprüche eine umweltbewusste Wirtschaftsweise zu eigen zu machen, die weitestgehend in Einklang mit der Natur steht.
Obwohl ein Weinbaugebiet von Weltrang, fehlte in Tokaj-Hegyalja bislang weitgehend die entsprechende Erfahrung und Praxis. Darum wurde ein deutscher Berater mit der fachlichen Leitung der Umstellung beauftragt.
In einer 3 ha. großen Neuanpflanzung der Lage Térézia mit Reben der Sorte Lindenblättriger wurde von der ersten Minute an ein ökologisches Betriebskonzept eingesetzt.. Zusätzlich wurden in der Lage Terézia Pflanzungen der Sorte Furmint (1 ha) und Muscat Lunel (3 ha) in dieses Programm mit einbezogen.
Im Frühjahr 2009 wurde so ein 7 Hektar großes Gebiet im Sinne der ökologischen Bewirtschaftung umgestellt.
Es überrascht nicht, dass unsere Winzer mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung im konventionellen Weinbau skeptisch waren, als sie zu Jahresbeginn die Pflanzenschutzplanung erhielten, worin etwa Backpulver, Wasserglas oder Fenchelextrakt als Pflanzenschutzmittel aufgeführt wurden.
Die Beschäftigung mit den Details des Konzeptes führte zur Überzeugung, dass ein radikaler Wandel im Bewirtschaftungskonzept nötig war. Genau hierin mag die größte Herausforderung liegen.
Grundlegend ist eine gute Kenntnis der biologischen Abläufe, die sich auf Rebgut und Wein auswirken. Auf dieser Grundlage müssen wir lernen, die Traube als Pflanze einschließlich ihres Umfeldes und ihres Nährbodens als komplexes Lebewesen zu begreifen und zu behandeln. Auch in der Humanmedizin führt eine reine Behandlung der Symptome nicht zum Erfolg, genauso müssen wir im Weinbau die Ursachen von Krankheiten kennen und verstehen lernen.
Der organische Weinbau ist nicht nur eine Frage des Pflanzenschutzes, vielmehr handelt es sich um eine komplexe Technologie, die den Rebbau und die Behandlung des Weins gleichermaßen umfasst.
Im Herbst des Vorjahres haben wir zwischen die Rebzeilen eine Schmetterlings-Saatgutmischung eingebracht. Diese bewirkt einerseits eine Wiederbelebung der Bioaktivität des Bodens, wodurch wir ein intensives Bodenleben begünstigen und die langfristige Fruchtbarkeit des Bodens sicherstellen möchten, letzteres durch die Lockerung der Erde und die Steigerung des Gehalts an Humus und Nährstoffen. Andererseits enthält die Mischung lang blühende Pflanzen, die laufend Insektenarten anziehen, die als natürliche Feinde der Rebschädlinge dienen.
Zusätzlich haben wir eine Kompostkultur angelegt, wo eine Mischung aus je einem Drittel Erde, Schneckenklee und Mist während 6 Monaten heranreift. Nach der Fertigstellung wird der Kompost im Weinberg ausgetragen, um die Bodenstruktur und das Bodenleben zu verbessern, was wiederum zu einer ausgewogenen Zufuhr von Nährstoffen und einem besseren Zustand der Reben führt.
Bei den Arbeiten im Weinberg, die mit dem Rebschnitt beginnen, wurde der bisherige Grundsatz beibehalten: Die geringe Belastung des Rebstocks, ergänzt durch Auswahl der Triebe und Reben, sorgt für ein gesundes Gleichgewicht der Frucht und für eine optimale Balance zwischen der Rebpflanze und ihrer Umgebung.
Die größte Herausforderung zu Beginn des Vegetationszeitraums ist die Frage des Pflanzenschutzes. Wie können wir die Rebanlage gegen echten und falschen Mehltau sowie gegen Schädlinge schützen?
Hierfür gelangt ein gründlich ausgearbeitetes Protokoll zur Anwendung, während der Wachstumsperiode wurden neunmal Bio-Pflanzenschutzmittel angewendet.
Zur Vorbeugung von Mottenschäden haben wir erfolgreich die Verwirrmethode durch Ausbringung von Pheromonen in den Luftraum angewendet.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Unkrauttilgung. Hier stellte die bewährte mechanische Methode (manuelles und maschinelles Hacken) die Lösung dar.
Eine Vegetationsperiode haben wir überstanden und die ersten Zweifel konnten ausgeräumt werden. Das erste Mal haben wir die Reben von 4 Hektar großen, ökologisch bewirtschafteten Rebflächen gelesen. Der Ertrag war vollkommen gesund und fehlerfrei.
Wir sind uns dessen bewusst, dass wir erst am Anfang unserer Arbeit stehen, aber die positive Zwischenbilanz nach einem Jahr Erfahrung lautet: Es funktioniert auch in Tokaj-Hegyalja! Selbstverständlich machen wir weiter. Derzeit wird ein 2,5 Hektar großer Bereich oberhalb des Weinguts für die Neuanpflanzung im Frühling vorbereitet. Die Zubereitung des Bodens, das Einarbeiten von Mist und die Aussaat der Saatgutmischung erfolgen bereits ganz im Sinne des ökologischen Weinbaus.
Als Eigentümer mit Pioniergeist sind wir bereit, hier eine Anbauweise heimisch zu machen, die zu Beginn kostspieliger ist und Investitionen erfordert. Wir tun dies mit der Überzeugung, dass es sich dabei um den Weg der Zukunft handelt – um den einzigen Weg zu Spitzenweinen, die höchsten Ansprüchen gerecht werden.

Mi hathatósabb a bornál ugyan?
Nem látd: az ember, hogyha jót iszik,
Mily dús, pörét megnyerte, végrehajt
Mindent, barátját fölsegéli; boldog.
Hozz hát nekem egy kancsóval: az eszem
Hadd áztatom meg s mondok egy okost.”
Arisztophanész: Ész-áztató bor